13. Uni Talk

Im 13. Uni Talk skizzierte Amnon Rubinstein, prominenter israelischer Journalist und Politiker, vor ungefähr 50 Zuhörern seine Vorstellung darüber, was den Westen vor allen anderen Kulturen unterscheide. Die Frage „Is the West merely a culture?“ verneinte er. Der Westen sei viel mehr als ein kulturell begründeter Staatenverbund. Er verfügt über politische und juristische Grundsätze. Seinen Gesetzen kann er auch gegen die Mehrheitsmeinung und das alltägliche Rechtsempfinden Geltung verschaffen. Auch der Westen hat religiöse, ethnische und traditionelle Grundlagen, aber dass das Recht eine überragende Stellung einnimmt, ist Alleinstellungs­merkmal der atlantischen Zivilisation.

Herr Rubinstein gab das Beispiel eines Angehörigen der laotischen Volksgruppe der Hmong, der in den USA eine Frau seines Stammes entführte. Vor Gericht erklärte er, dass dies das herkömmliche Ritual der Eheanbahnung in seiner Kultur sei. Der Mann erhielt lediglich eine symbolische Strafe.

Für exemplarisch hielt der Referent auch, dass ein junger Türke in Deutschland für den Ehrenmord an seiner Schwester lediglich wegen Totschlags verurteilt wurde.

Diese oft befremdliche Gerichtsbarkeit habe ihre Ursachen im zweiten Weltkrieg, in dem sich mit dem Sieg der Alliierten auch außerrechtliche Prinzipien gegen den Rechtspositivismus durchsetzten. Dies habe zur starken Individualisierung des westlichen Rechtssystems geführt.

Sein grundlegender Zweifel an der Existenz allgemeingültiger Normen unterscheide es von allen anderen Kulturkreisen.

Gleichwohl sieht Herr Rubinstein in dieser Besonderheit kein Hindernis für eine Kooperation etwa mit der islamischen Welt. Den Beitritt der Türkei zur EU begrüßt er ausdrücklich, weil damit bewiesen würde, dass die westliche Rechts- und Rechtsstaatlichkeits­auffassung mit dem Islam durchaus kompatibel ist. Denn in ihrer Essenz ist sie die Idee, dass die Tradition nicht die Antworten für die Probleme von heute geben kann. Und das sei kulturübergreifend gültig.

Wie in diesem Format üblich, schloss sich an den Vortrag eine kleine Diskussionsrunde mit den zahlreichen interessierten Zuhörern an.

Georg Delis
Düsseldorfer Institut für Außen- und Sicherheitspolitik

 

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