Thailändische Energiepolitik - Erneuerbare Energien: Enormes Potenzial für deutsche Umwelttechnologie

Thailand wies während der letzten Jahrzehnte ein rasantes wirtschaftliches Wachstum auf. Wachsende Industrialisierung ging mit noch schneller ansteigendem Energieverbrauch und zunehmenden Umweltproblemen einher. Im Jahr 2005 konsumierte Thailand Energie in Höhe von 15,7% seines Bruttosozialproduktes. Der Primärenergieverbrauch wird gegenwärtig zu 96% durch fossile Brennstoffe gedeckt, hiervon entfallen 45% auf Öl, 37% auf Gas und 14% auf Kohle. Die restlichen vier Prozent verteilen sich zu gleichen Teilen auf Wasserenergie und die erneuerbare Energien. Der größter Energieverbraucher Thailands ist das Transportwesen mit 37% des Gesamtenergiekonsums, gefolgt vom industriellen Sektor (36%). Mit einigem Abstand folgen Privathaushalte und der Dienstleistungssektor mit 21% sowie der Agrarsektor (6%).

Die derzeitige Interimsregierung setzt die ehrgeizigen Ziele der Thaksin-Regierung im Bereich der erneuerbaren Energien fort. Nach dem „Strategic Plan for Renewable Energy Development 2005“ ist eine Erhöhung des Anteils der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung auf 8% im Jahr 2011 geplant. Bis 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien bereits 12% betragen. Diese aussichtsreiche Entwicklung bietet deutschen Anbietern entsprechender Energie- und Umwelttechnologien mittelfristig vielfältige Chancen auf dem thailändischen Markt.

Die Stromversorgung Thailands wird durch das staatliche Unternehmen „Electricity Generating Authority of Thailand – EGAT“ geregelt, das nach wie vor eine Monopolstellung innehat. Ein Privatisierungsvorhaben scheiterte Anfang 2006. EGAT ist selbst Stromproduzent, schreibt aber in verstärktem Maße auch Lizenzen an private Investoren, sog. „Independent Power Producer – IPPs“ aus, deren Stromerzeugnis von EGAT aufgekauft wird. Zu den IPPs zählen unter anderem die „Small Power Plants –SPPs“, die zur Stromerzeugung ausschließlich auf regenerative Energien, hauptsächlich Biomasse, zurückgreifen. Den produzierten Strom verkauft EGAT an die zwei staatlichen Elektrizitätsverteilungsgesellschaften „Provincial Electricity Authority – PEA“ und „Metropolitan Electricity Authority – MEA“, von denen der Endverbraucher seinen Strom bezieht.
Eine Ausnahme dieser strikten Versorgungsstruktur bilden die „Very Small Power Plants – VSPPs“. Diese sehr kleinen Stromproduzenten genießen vereinfachte und flexiblere Regularien und können ihren Strom ohne vertragliche Bindung mit EGAT direkt an PEA bzw. MEA liefern.

Die hohe Energieintensität der thailändischen Wirtschaft und ihre Abhängigkeit von Ölimporten macht sie um ein Vielfaches anfälliger gegen Energiepreiserhöhungen als hoch industrialisierte Länder. Die thailändische Regierung hat deshalb einen „Energiesparfonds“ eingerichtet, mit dem Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz unterstützt werden. Um die Abhängigkeit von Energieimporten weiter zu reduzieren, fördert sie erneuerbare Energien insbes. aus der Agro-Industrie und auch die Erzeugung von Biokraftstoffen wie Ethanol aus Zuckerrohr und Tapioka, sowie Biodiesel aus Palmöl.

Die thailändische Interimsregierung setzt die Förderung erneuerbarer Energien fort. Anfang Dezember 2006 hat das thailändische Energieministerium angekündigt, mit einer Mrd. Baht (ca. 21,3 Mio. €) VSPPs verstärkt zu fördern. Interessierten Investoren werden im Rahmen dieses Programms z.B. zinsgünstige Darlehen (Zinssatz unter 4%) angeboten. Darüber hinaus hat sich das „National Energy Policy Council“ Anfang Dezember 2006 darauf verständigt, die Planung des Baus von Ethanolwerken zu beschleunigen.

Die Förderung erneuerbarer Energien bleibt in Thailand auch nach dem Militärputsch vom 19. September 2006 unter der derzeitigen Interimsregierung ein prominentes wirtschaftspolitisches Thema. Für deutsche Unternehmen bietet dieser Bereich ein weites und lukratives Betätigungsfeld. Die deutsche Außenwirtschaftsförderung flankiert (insbes. im Rahmen der „Exportinitiative Erneuerbare Energien“) diesen Wirtschaftsbereich.

Deutsche Fördermaßnahmen im Bereich der erneuerbaren Energien in Thailand sind vielfältig; z.B. das von der „Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit - GTZ gemeinsam mit dem „Thai Department of Alternative Energy Development and Efficiency –DEDE“ im thailändischen Energieministerium durchgeführte Projekt „Energie- und Ökoeffizienz in der Agro-Industrie“ im Rahmen des Thai-Deutschen Kooperationsprogramms. Das Projekt soll die Nutzung der Biomasseabfälle der thailändischen Agro-Industrie zur Energieerzeugung steigern und deren Energieeffizienz verbessern. Die Verbesserung des energiepolitischen Rahmens für erneuerbare Energien und Energieeffizienz sowie die Beteiligung des Privatsektors sind Kernelemente der Umsetzungsstrategie. Da Biomasse 70% des erneuerbaren Energiepotentials in Thailand einnimmt und wirtschaftlicher als Solar- und Windenergie ist, konzentrieren sich derzeit zahlreiche Aktivitäten auf Biomasseenergie.

Auch wenn das Marktpotential für erneuerbare Energien in Thailand erheblich ist – Experten schätzen das Produktivitätspotential in der thailändischen Agro-Industrie allein durch die Nutzung der Biomasseabfälle und die Steigerung der Energieeffizienz auf 1 Mrd. US$ jährlich – so sind doch die Markteintrittsschwierigkeiten für deutsche Hersteller in den thailändischen Markt erheblich. Es ist deshalb unabdingbar, dass die deutsche Außenwirtschaftsförderung (insbes. im Rahmen der „Exportinitiative Erneuerbare Energien“) verstärkt das Ziel verfolgt, insbes. Klein- und mittelständische Unternehmen (KMUs) durch spezifische, praxisorientierte Informations- und Kontaktanbahnung beim Einstieg in den thailändischen Markt Starthilfe zu geben.

Vor dem Hintergrund der laufenden deutschen Aktivitäten in Thailand sollte der Einsatz einzelner Instrumente der Außenwirtschaftsförderung im Bereich erneuerbarer Energien im Rahmen eines längerfristig angelegten integrierten Gesamtkonzeptes noch stärker aufeinander abgestimmt werden. Auf diese Weise könnte die nachhaltige Wirksamkeit und Kosteneffizienz der Maßnahmen gesteigert werden. Entscheidend für den nachhaltigen Erfolg der durchgeführten Fördermaßnahmen ist, dass diese intensiv in das Netzwerk der Energie- und Umweltressorts der deutschen Industrie- und Handelskammern und der Dachorganisation DIHK sowie der Außenhandelskammern eingebunden sind. Über diese Ebene besteht ein guter Zugang insbesondere zu Klein- und Mittelständischen Unternehmen im Bereich der Umwelt- und Energietechnik.

Der Erfolg der eingesetzten Instrumente wird allerdings auch entscheidend davon abhängen, ob es der thailändischen Regierung in absehbarer Zeit gelingt, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen im Bereich der erneuerbaren Energien (insbes. die Verabschiedung eines überfälligen Einspeisegesetzes als Basis für die wirtschaftliche Kalkulation von Investitionen) signifikant zu verbessern.

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